Die Wirtschaftsregion Westbrandenburg – mit der Havel als verbindendes Element.

Die Wirtschaftsregion Westbrandenburg – mit der Havel als verbindendes Element. Eine aufstrebende Region mit den Städten Brandenburg an der Havel, Premnitz und Rathenow als Fixpunkte.

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Berufemarkt 2019 im TGZ - Beratung bei der Barmer
Berufemarkt 2019 im TGZ - Beratung bei der Barmer

Die Wirtschaftsregion Westbrandenburg – mit der Havel als verbindendes Element. Eine aufstrebende Region mit den Städten Brandenburg an der Havel, Premnitz und Rathenow als Fixpunkte. Unter diesem freiwillig gebildeten Dach verfolgen die Wirtschaftsregion und ihre Mitarbeiter und Partner seit 2010/2011 die Stärkung und Profilierung Westbrandenburgs. Das schließt die Unterstützung ansässiger Unternehmen und potentieller Investoren ebenso mit ein wie die Entwicklung der so genannten weichen Standortfaktoren zur weiteren Steigerung der Attraktivität der Wirtschaftsregion als Wohn- und Arbeitsort.

Die Verwaltungsspitzen steuern die Zusammenarbeit und Partner vor Ort koordinieren konkrete Themen wie Ansiedlung und Unternehmensentwicklung, Existenzgründung, Nachfolgeregelung, Fachkräftesicherung und -gewinnung und stellen entsprechende Kontakte her. Zudem eruieren Sie Fördermöglichkeiten für die Unternehmen.

OhMyJob spricht mit Anett Lamberty von der Fachgruppe Wirtschaftsförderung der Stadt Brandenburg an der Havel.

Hallo Anett. Erst einmal die Frage: ist das alles so korrekt, wie wir einleitend eure Aufgaben beschrieben haben oder kann man noch etwas ergänzen?

Anett: Hallo. Ziemlich viel, von dem was wir machen, wurde schon genannt. Ihr habt es gut beschrieben. Die Wirtschaftsregion hat neben den skizzierten Handlungsfeldern Arbeits-/Fachkräftesicherung und Flächenmanagement noch die zwei Bereiche Kooperationsmanagement und Regionalmarketing zu bearbeiten. Ziel der Maßnahmen dieser Bereiche ist vor allem, die Region bekannt zu machen und die in ihr bereits ansässigen Akteure zu vernetzen. Identifikation zu stiften ist für uns ganz wichtig, denn es sind die hier lebenden und arbeitenden Menschen sowie die bereits vorhandenen Unternehmen und Institutionen, die die Wirtschaftsregion Westbrandenburg ausmachen. Für das Regionalmarketing greifen wir auch zu klassischen Marketinginstrumenten und geben ein Wirtschaftsmagazin heraus, versenden quartalsweise einen Newsletter, bespielen Social Media Kanäle und sind auf Veranstaltungen und Messen präsent. Und bei jeder Maßnahme versuchen wir, Unternehmer untereinander oder mit den relevanten Partnern wie IHK, Handwerkskammer oder Hochschule bekannt zu machen. Und wir wollen Parallelstrukturen abbauen – also die Kräfte der Region bündeln.

Wirtschaftsregion Westbrandenburg – Team
Das Team und Kooperationspartner der Wirtschaftsregion Westbrandenburg

Das ist ein sehr interessantes und vor allem breit gefächertes Thema. Wie müssen wir uns deinen Arbeitsalltag vorstellen? Wie versucht ihr bei der Wirtschaftsförderung konkret die Attraktivität der Region herauszustellen?

Anett: Ja, es ist wirklich ein spannendes Arbeitsfeld und sehr breit gefächert. Ständig kommt man mit neuen Themen oder Tools und vor allem Personen und Unternehmen in Kontakt. Ich bin sowohl Wirtschaftsförderin der Stadt Brandenburg an der Havel als auch die Projektleitung für die Wirtschaftsregion. Doch egal ob rein lokal oder regional, in beiden Rollen gilt es das, was die Stadt bzw. die Region ausmacht, sichtbar zu machen. Dafür nutzen wir sowohl in der kommunalen Wirtschaftsförderung als auch in der Wirtschaftsregion Online- und Offline-Medien. Wir probieren uns immer wieder und mit Blick auf die Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe aus. Im Mittelpunkt stehen die weichen Standortfaktoren sowie die positive Entwicklung der Stadt und der Region (Einwohnerzahl, Arbeitslosenquote, etc.). Der Kern der Arbeit ist jedoch Netzwerkarbeit. Die daraus entstehenden Aufgabenstellungen setzen wir im Team um.

Im Oktober 2020 könnt ihr auf 10 Jahre Wirtschaftsregion Westbrandenburg zurückblicken. Ihr habt euch immer Zwischenziele gesetzt, wie die Entwicklung der Kooperation und eine stärkere Profilierung. Offensichtlich mit viel Erfolg. Was sind die nächsten Steps?

Anett: Aktuell befinden wir uns in der wohl spannendsten Phase in 10 Jahren Wirtschaftsregion Westbrandenburg. Am 21.09.2020 haben die vier Verwaltungsspitzen die erste unbefristete Kooperationsvereinbarung unterzeichnet und damit den Auftrag erteilt, die Wirtschaftsregion auch weiterhin zu stärken und die Maßnahmen umzusetzen. Wir befinden uns momentan mitten im Übernahmeprozess von unseren Partnern LOKATION:S und messegold. Zukünftig setzen wir die Maßnahmen verstärkt mit eigenem Personal um. Wir betreuen also unsere Internetseite zukünftig allein, bespielen die Social Media Kanäle und sind Herausgeber des Newsletters. Natürlich planen wir für 2021 auch die Umsetzung der etablierten Veranstaltungsformate „W vor Ort“ oder Nachfolgeforum – hier jedoch innerhalb eines großen Netzwerkes mit weiteren Partnern, aber unter dem Label der Region. Für niemanden sichtbar, aber dennoch auf unserer Agenda steht zudem die Abrechnung und Verwendungsnachweislegung des nun endenden Projektes. Schließlich haben das Land Brandenburg und der Bund unsere bisherigen Maßnahmen mit Fördermitteln aus dem GRW-I Regionalbudget gefördert. Nach der Abrechnung starten wir dann sofort mit der Vorbereitung eines weiteren Fördermittelantrages und hoffen auf eine Bewilligung. Dann würden wir nach heutigem Stand noch in 2021 die ersten Ausschreibungen für Aufgaben wie Grafik, Veranstaltungsservice, Druck u. a. starten können.

Aktuell hab ihr im September 2020 die „1. Offenen Unternehmensbesuche“ organisiert. Corona bedingt musstet ihr hier auf ein neues Format umschwenken – sonst veranstaltet ihr immer den sehr gut besuchten Berufemarkt Westbrandenburg. 30 Unternehmen haben sich dieses Jahr beteiligt. Wie war die Resonanz?

Anett: Aufgrund der Entwicklungen um den Covid-19-Virus war es in diesem Jahr nicht möglich, die etablierten Formate wie den „Berufemarkt Westbrandenburg“ und die Unternehmensbesuche „Schau mal vorbei!“ in gewohnter Art und Weise durchzuführen. Aber Berufs- und Studienorientierung muss nach unserer Auffassung auch während einer Pandemie stattfinden.

Von der Resonanz, vor allem von den ca. 250 teilnehmenden SchülerInnen, sind wir überwältigt. Allein die Teilnehmerzahl ist für uns schon ein Erfolg, da wir bei den Unternehmensbesuchen „Schau mal vorbei!“ logistisch maximal 65 SchülerInnen auf die Touren mitnehmen konnten. Bei den „Offenen Unternehmensbesuchen“ wurden Bewerbungen direkt bei den Unternehmen abgegeben und wir hoffen selbstverständlich auf Besetzungserfolge – ganz egal ob für eine Ausbildung, ein Praktikum oder einen Ferienjob.

Wir können zwar noch nicht sagen, wie unsere Maßnahmen zur Beruf- und Studienorientierung in Zeiten einer Pandemie in 2021 genau aussehen werden, betrachten die Umsetzung der „Offenen Unternehmensbesuche“ in diesem Jahr aber als großen Erfolg und sind froh über so viel positives Feedback durch die Unternehmen und Teilnehmenden. Demnach steht eins fest: Berufs- und Studienorientierung wird es in der Wirtschaftsregion Westbrandenburg auf jeden Fall auch im nächsten Jahr geben. Klar ist ebenfalls: Der Berufemarkt Westbrandenburg soll auch in den kommenden Jahren als feste Größe im Veranstaltungskalender von Unternehmen, Schulen, Jugendlichen und deren Familien stehen.

Seit einigen Jahren ist es sehr schwierig, Auszubildende zu finden bzw. Jugendliche zum Beispiel für das Handwerk zu begeistern. Hab ihr dazu auch Rückmeldungen von den Unternehmen?

Anett: Das können wir bestätigen. Aber die Unternehmen der Region bemühen sich wirklich sehr um ihren Nachwuchs. Im Handwerk sind immer noch viele Vorurteile mit den Berufsbildern verknüpft und, dass auch hier gute Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten bestehen sowie neue Arbeitsformen und Digitalisierung Einzug halten, ist den meisten nicht bekannt. Das gilt es zu ändern. Daher arbeiten wir hierbei eng mit der IHK sowie der Handwerkskammer zusammen und erstellen die Ausbildungsbroschüre sowie Praktikumslisten und bieten Veranstaltungen wie den Berufemarkt oder die Unternehmensbesuche an. Das Überbetriebliche Ausbildungszentrum des Berufsförderungswerks der Bauindustrie Berlin-Brandenburg e.V. in Brandenburg an der Havel ist hier ein bedeutender Partner. Es zeigt auf seinem Instagram Kanal @baudirwasauf spannende Einblicke und wirbt unermüdlich für eine Berufsausbildung im Handwerk. OhMyJob kann auch hier mit den Jobportraits und den Arbeitgeber-Videos einen wichtigen Beitrag leisten.

Hast du den Eindruck, da hat sich auch viel gewandelt, dahingehend, dass sich Unternehmen immer mehr als attraktiver Arbeitgeber positionieren müssen und auch die Skills drum herum eine größer werdende Rolle spielen?

Anett: Ja, es besteht in gewissen Branchen ein starker Wettbewerb um junge Nachwuchskräfte und ausgebildete Fachkräfte. Einige Arbeitgeber heben in Stellenausschreibungen bereits Möglichkeiten des mobilen Arbeitens, Vergünstigungen und Anreizsysteme stärker hervor. Immer mehr Unternehmen sind auch in den sozialen Medien unterwegs. Das ist heute entscheidend – online und offline sowie jeweils zielgruppenspezifisch nach Personal zu suchen ist in der heutigen Zeit unerlässlich. Mit Blick auf die zunehmende Bedeutung der Work-Life-Balance werden Mitarbeiter-Benefits und familienfreundliche Arbeitszeiten immer wichtiger. Gleiches gilt für die Authentizität der Unternehmenswerte.

Wie siehst du die neuen digitalen Wege? Auch die Wirtschaftsregion Westbrandenburg und OhMyJob kooperieren ja miteinander und nutzen verstärkt die digitalen und sozialen Medien. Wird das der neue Weg sein Unternehmen zu präsentieren und Bewerber für sich zu begeistern?

Anett: Nachwuchs- und Fachkräfte haben oftmals die Qual der Wahl, so dass es vermehrt darauf ankommt, wie sich Unternehmen öffentlich präsentieren und ihre Werte und Benefits für die potentiellen Arbeitnehmer kommunizieren. Unternehmen sollten das steuern, denn in der heutigen digitalen Welt besteht für jeden die Möglichkeit, sich auch anonym über den Arbeitgeber im Netz zu äußern, also auch ohne den Willen und das Wissen des Arbeitgebers. Und Agieren ist auch hier stets besser als Reagieren. Daher ist die Nutzung sozialer Medien hier entscheidend. Sichtbarkeit zu erreichen, die Angebote unserer Unternehmen bekannt zu machen und dadurch die Vielfalt der Region abzubilden, das haben OhMyJob und die Wirtschaftsregion meiner Meinung nach gleichermaßen zum Ziel. Unsere Kooperation schafft mehr Reichweite. Das haben wir bei der Bewerbung der Offenen Unternehmensbesuche auch genutzt. Die Hürden für den Erstkontakt mit potentiellen Bewerbern sollten zudem meiner Meinung nach niedrig gehalten werden und auch hier können digitale und soziale Medien hilfreich sein. Wichtig ist zunächst, einen Kontakt für sich zu gewinnen. Diesen auf Herz und Nieren zu testen und Dokumente einzusehen, das kann man auch im weiteren Prozess.

Westbrandenburg ist zusätzlich eine attraktive Gründerregion mit sehr viel Potential. Jetzt habt ihr zusammen mit der Technischen Hochschule Brandenburg die Seite www. gruenderregionwestbrandenburg.de ins Leben gerufen. Erzähl uns mal ein wenig davon.

Anett: Bereits seit vielen Jahren arbeiten wir als Stadt Brandenburg an der Havel mit der Technischen Hochschule Brandenburg (THB) in verschiedenen Bereichen zusammen. Seit 2018 auch nochmals verstärkt im Bereich Gründung. Hier ist für beide Partner der regionale Ansatz entscheidend. Die Wirtschaftsregion und die THB sind daher in den Jahren noch stärker zusammengerückt. Im Rahmen des Netzwerkes Unternehmenskultur Westbrandenburg ist die Wirtschaftsregion im gesamten Lebenszyklus eines Unternehmens tätig- von der Gründung über Bestand/Wachstum bis hin zur Unternehmensnachfolge. Viele wirtschaftsfördernde Akteure der Region sind im Netzwerk aktiv – neben den Städten der Wirtschaftsregion und der THB auch die Kammern, Lotsendienste, Banken, das Jobcenter und die Agentur für Arbeit, die Wirtschaftsförderung des Landes Brandenburg u. a. Es gibt drei Arbeitskreise, die sich mit konkreten Angeboten für die Zielgruppe befassen. Frau Stawecki als Fachgruppenleiterin Wirtschaftsförderung leitet den AK Bestand, Frau Heymann von der IHK den AK Nachfolge und Frau Rosenthal vom Zentrum für Gründung und Transfer (ZGT) den AK Gründung. Diese Zusammenarbeit hat bewirkt, dass das Netzwerk neu ausgerichtet wurde und nun mehr als je zuvor regional die Kräfte bündelt, um für die Zielgruppen transparente und attraktive Angebote zu schaffen. Die THB arbeitet seit 2018 intensiv daran, das Thema Unternehmensgründung zu forcieren und in den Kommunen der Wirtschaftsregion zu verbessern. Die Seite gruenderregionwestbrandenburg.de ist eine Maßnahme des Projektes GründerRegion Westbrandenburg. Sie wurde durch die THB konzipiert und wird vom Zentrum für Gründung und Transfer in enger Kooperation mit der Wirtschaftsregion Westbrandenburg belebt und gestaltet.

Wie müssen wir uns das vorstellen – die Gründer melden sich bei euch mit ihrer Idee und ihr stellt die Kontakte und Unterstützung bereit und helft eventuell noch bei der Standortsuche?

Anett: Wenn sich ein Gründer an einen Partner der Wirtschaftsregion Westbrandenburg wendet, dann werden vor allem Kontakte zu den Beratern bzw. Institutionen und Kammern hergestellt. Wir als Wirtschaftsförderungen unterstützen daneben konkret bei der Standortsuche im Rahmen unserer Möglichkeiten. Je nach Vorhaben ist auch die Beteiligung weiterer Organisationseinheiten der Verwaltung erforderlich, bspw. des Gewerbeamtes, des Lebensmittel- und Veterinäramtes oder des Bauamtes. Darum kümmern sich die jeweiligen Wirtschaftsförderer verwaltungsintern. Jeder Gründer bzw. jedes Unternehmen bringt da individuelle Unterstützungsbedarfe mit.

Beratet ihr den Gründer auch, falls eine Idee noch nicht ganz ausgereift ist bzw. einfach nicht funktionieren kann?

Anett: Nein, zur Idee bzw. zum Business Plan beraten wir nicht. Wir machen u. a. auf Abstimmungsbedarfe mit der Verwaltung sowie die Leistungen unserer Partner aufmerksam. Die Development Center der Lotsendienste aus Brandenburg an der Havel und dem Havelland sind hier ein tolles Angebot. Aber auch das Zentrum für Gründung und Transfer ist - vor allem für Studenten – ein wertvoller Ansprechpartner. Daneben stehen auch die Kammern den Gründern/Gründerinnen mit Rat und Tat zur Seite, geben Hinweise oder bieten konkrete Unterstützungsleistungen sowie Informationsveranstaltungen an. Wir haben aber auch zahlreiche aktive Netzwerke in der Stadt, in denen Unternehmer und Freelancer sich gegenseitig Tipps geben. Anlaufstellen sowie Netzwerke der Region sind unter gruenderregionwestbrandenburg.de zu finden.

Wie sieht es mit Fördermöglichkeiten aus? Könnt ihr hierzu ebenfalls beraten bzw. die entsprechenden Berater dazu holen?

Anett: In unserem Netzwerk sind u. a. mit der Wirtschaftsförderung des Landes Brandenburg (WFBB) und der Investitionsbank des Landes Brandenburg zwei Partner vertreten, die zu Förderprogrammen beraten. Die Städte und der Landkreis selbst beraten nicht zur Förderung, aber wir begleiten ebenso wie die IHK auch Fördermittelgespräche. In Brandenburg an der Havel findet bspw. jeden ersten Dienstag im Monat in der Fachgruppe Wirtschaftsförderung eine persönliche Fördermittelberatung durch die ILB statt. Eine vorherige Terminvereinbarung ist jedoch erforderlich.

Vielen Dank Anett für deine Zeit. Die Wirtschaftsregion Westbrandenburg ist auf einem sehr interessanten Weg. Wir sind gespannt, wie es weitergeht und hoffen, dass wir mit OhMyJob euch noch weiter unterstützen können.

Über die Autorin
Anett Lamberty ist gebürtige Brandenburgerin, die seit 10 Jahren in der Wirtschaftsförderung der Stadt Brandenburg an der Havel arbeitet und annähernd genauso lang die Wirtschaftsregion Westbrandenburg betreut - seit 2019 als Projektleiterin.

Wirtschaftsregion Westbrandenburg – Karte
Karte der Wirtschaftsregion Westbrandenburg

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